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RAT & TAT China Info 18 : Chinaberatung am Ende ?

Chinesische Unternehmer lieben deutsche Betriebsräte !


Kaum zu glauben: Investoren aus China lieben deutsche Betriebsräte....!

Wir haben es oft genug gepredigt, aber da wurde nicht hingehört im Kreise vermeintlicher „China-Experten“: Es nutzt weder deutschen Unternehmen in China noch deutschen Expatriates noch chinesischen Investoren in Deutschland, wenn diesen von deutschen „Unternehmensberatern“ eine möglichst große Distanz zum Arbeitsrecht, zu Gewerkschaften und Betriebsräten empfohlen wird. Dieser unsägliche Trend hat sich fortgesetzt durch das, was wir wiederholt die „sinologische Kompensation“ genannt haben: AbsolventInnen des Faches Sinologie glauben, „China“ zu kennen. In all seinen Aspekten. Also auch dort, wo es mitnichten um „Sprache“ geht sondern wo eigene Erfahrungen und Kenntnisse auf dem jeweiligen FACHGEBIET gefragt wären: Im Recht, im Arbeitsleben, in der Politik, in der Wirtschaft. Es war einigermaßen grotesk als einer dieser „Experten“ am Beginn der Streikwelle in China 2010 uns fragte, ob wir denn die Adresse des „Streikführers bei Honda“ hätten…. Der Beratungsbedarf war groß. Also mußte man sich irgendetwas aus den Rippen schneiden. Deshalb wurde mal eben bei einem Experten anrufen und das dann schnell im Wege der Handsteuerung und mit ppt-Bildern umgesetzt. Anschließend hielt der junge Mann vor der Europäischen Handelskammer (!) einen Vortrag über Streiks in China. Und alle lauschten gespannt seinen Ausführungen. Wir fragten nicht erst damals: Wie kann man über Streiks reden, wenn man dieses Phänomen erst im Reich der Mitte kennenlernt und im eigenen Land sich nie damit befaßt hat ? Wie kann man Managern Empfehlungen im Umgang mit Arbeitern geben, wenn man sich im eigenen Land weder mit Arbeitern noch mit Streiks noch mit den Realitäten des hiesigen Arbeitslebens noch mit dem Arbeitsrecht befaßt hat ?

 

Antwort: Man kann es nicht. Und so wurden entgegen allen unseren Warnungen banale Vorurteile, fachliches Nichtwissen und naive Empfehlungen unter den leider oft a u c h völlig ahnungslosen Managern deutscher Firmen in China verbreitet. Nicht viel anders war und ist es mit jenen „Beratern“, die den Investoren aus China ausgerechnet in Deutschland eine Distanz zu Betriebsräten und Gewerkschaften empfehlen, ganz in der „Tradition“ US-amerikanischer Investoren, die gleich nach ihrer Ankunft am Investitionsort erst einmal den Betriebsrat oder die Gewerkschaft unter Inanspruchnahme zweifelhafter Anwälte „abschaffen“. Billigste Hedgefonds.-Mentalität wurde da zum heiligen Maßstab. Schrumpfen, entlassen, kürzen, Betriebsrat provozieren, Gewerkschaften draußen lassen.

 

Und nun ? China und unsere chinesischen Freunde sind – Gottseidank ! – immer wieder für eine Überraschung gut. Sie scheinen sich um all diese dummen „Ratschläge“ – anders als deutsche Unternehmen in China ! – nicht gekümmert zu haben. Eine Betriebsrätetagung der Bayerischen Betriebsräteakademie offenbarte jetzt dieses:

 

• In Deutschland sind mittlerweile etwa 2000 Unternehmen mit chinesischem Kapital ausgestattet

• In keinem einzigen dieser Unternehmen kam es zu Betriebsspaltungen, Entlassungen und anderen „Hedgefonds-Maßnahmen“

• Die Investoren überließen die Personalführung weiter dem deutschen Management und mischten sich – anders als US-amerikanische Investoren - nicht in die Beziehungen zu Betriebsrat und Gewerkschaften ein.

• Gleichzeitig nahmen in zahlreichen Unternehmen die Chinesischen Eigentümer oder Miteigentümer freundschaftliche Kontakte zu den Betriebsräten auf.

• Da es den Investoren aus China vor allem um das „Know-How“ geht, schätzen sie – anders als inzwischen auch viele deutsche Unternehmen – Funktion und Arbeit der Betriebsräte auch als stille Garanten für Qualität. Betriebsräte gelten in China als Repräsentanten deutscher Facharbeit.

• Das Ergebnis dieses – bislang – ungewöhnlichen Unternehmerverhaltens ist, daß die deutsche Betriebsräte sich inzwischen darüber klagen, z u w e n i g Kontakt mit den Investoren zu haben.

• Betriebsräte haben auf Grund dieser Erfahrungen bei Insolvenzen eigene Aktivitäten in Richtung der chinesischen Handelskammer entwickelt, um das Investment aus China den Insolvenzverwaltern als echte Alternative zu den Vorhaben westlicher Finanzinvestoren anzubieten.

 

Fazit: Etwas weniger Betriebsrätefeindlichkeit und Gewerkschaftsfeindlichkeit a la Wal-Mart, Mc Donald usw. täte hierzulande gut. Es ist eine Ironie der Geschichte, daß diese Lehre uns durch chinesische Investoren erteilt wird. W i r können sagen: Wir haben auch hier immer dazu geraten. Vielleicht hört ja doch jemand zu. W i r sind zur Hilfe bereit.

________________________________________

gez. Can Cui M.A.

Kanzlei Dr. Geffken – „RAT & TAT“

Institut für Arbeit – ICOLAIR

Lüneburger Tor 7

D-21073 Hamburg, Germany

Tel.: +49 40 7906125, +49 40 76118580 (ICOLAIR)

Fax: +49 40 7909601

E-mail: drgeffken@drgeffken.de

www.DrGeffken.de

 


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