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RAT & TAT China-Info 10 : China & die WM

Eindrücke noch vor dem Halbfinale

Wer sich in China waehrend einer Fussballweltmeisterschaft aufhaelt, der muss Geduld mitbringen. Nicht etwa dass es an Berichten und Bildern fehlen wuerde. Ganz im Gegenteil: Das staatliche TV-Programm CCTV berichtet im Channel 5 "rund um die Uhr" auch ueber die jetzige WM in Brasilien. Life. Wiederholungen, Auszuege, Interviews und Kommentare. Der Zeitunterschied ist enorm. Wer aktuell sein will, muss entweder um Mitternacht mit zwei Stunden Schlaf aussetzen (so beim Spiel Deutschland-Frankreich) oder schon um 4.00 Uhr aufstehen. Der Rest geht nur per Wiederholung im Laufe des Tages. Geduld braucht man, wenn man die Berichte selbst aushalten will. Sie sind naemlich alles andere als in unseren Breiten uebliche TV-Aufzeichnungen. Die Kommentatoren schluepfen regelmaessig in die Rolle von Reportern aus der Zeit des alten Dampfradios. Man fuehlt sich eher an Herbert Zimmermann weiland 1954 in Bern mit seinem "a u s, a u s, a u s, das Spiel ist a u s !" erinnert als an einen Reinhold Beckmann aus unseren Tagen. Was fuer den Radiohoerer jener Tage eine unverzichtbare Information war, der er im woertlichen Sinne "blind" zu vertrauen hatte, ist heute bekanntlich schon gesehen bevor es langatmig kommentiert wird. Nicht so bei CCTV 5: Dort arbeitet der "Kommentator" mit einer anderen Stellenbeschreibung: Er ist in Wahrheit Rundfunkreporter und ruft vor allem und in erster Linie aus, was Zimmermann so perfekt konnte: "Qiu jin le! Qiu jin le!" Was ungefaehr klingt wie "Dschooo tschien laaa!" oder etwas umstaendlicher wie "Der Ball ist im Tor". Ein Ausruf, der seit den bekannten Fehlentscheidungen mancher Schiedsrichter ja durchaus praeziser ist, als das blosse "Tooooooor!" vergangener deutscher Fussballtage. Drin oder nicht drin ? Wer also genuegend Geduld fuer solche Zusatzleistungen aufbringt oder einfach den Ton abschaltet, bleibt dennoch aktuell auf dem Laufenden. Oder aber er laesst sich einfach von der Begeisterung der Repoter mitreissen, wie die Chinesen selbst. Ein bisschen mehr Geduld allerdings muss aufbringen, wer die anschliessenden unendlichen Kommentardebatten oder "Shows" ertragen will. Ganz selten verirrt sich dorthin ein wirklicher Experte. Meist fuehren kleine huebsche junge Maedchen das Wort und durch die Sendung. Auch dem nicht des Chinesischen maechtigen Zuschauer ist schnell klar, dass ihre Kenntnisse von Ronaldos Haarfarbe und Messis Koerpergroesse nicht unbedingt so profund sind wie die Kommentare eines Guenter Netzer zu irgendeinem Spielverlauf. Manchmal treten durchaus kompetente Leute auf, wie zB die franzoesische Botschafterin in Beijing (die zum Verlauf des Spiels Deutschland-Frankreich trotzdem nicht viel zu sagen hatte) oder aber - man hoere und staune - Superstar Lang Lang. Dass der in einer ganzen Sendung seine kleine Nebenrolle ertragen konnte, muss wohl an der Gage gelegen haben. Jedenfalls fielen seine spontanen musikalischen Kommentare zu einem Spiel im Achtelfinale mit Anklaengen an Franz Liszt und Rachmaninov recht kurz aus. Der Mann war da fehl am Platz. Er haette besseres verdient gehabt. Ach ja, was die daheim Gebliebenen am meisten interessieren duerfte: Die Sympathie mit der deutschen Mannschaft ist in China spaetestens seit dem Ausscheiden der asiatischen Mannschaften weit verbreitet. Und es vergeht kein Tag, an dem man gaenzlich ungewollt nicht selbst in die Rolle des "Experten" gehievt wird. Man denkt dann bei sich: Gut dass das jetzt keiner daheim gehoert oder gesehen hat. Aber so sind sie die Chinesen: Sie sind dieses Mal wieder nicht dabei, aber sie bringen groessten Respekt fuer die Akteure und fuer die Menschen aus den beteiligten Laendern mit und freuen sich und leiden mit ihnen. Das geschieht oft unfreiwillig komisch und durchaus nicht so wie wir es gewohnt sind. Aber was sind wir gewohnt ? Freude an der Freude anderer oder blosse Fachsimpelei ? Es scheint auch hier so, dass die Chinesen bei allem Tam-Tam ihrer TV-Sendungen viel von Respekt und gegenseitiger Achtung verstehen. Aber der Respekt anderen gegenueber hat auch eine Kehrseite: Den anderen. Von ihm wird erwartet, dass er das sagt, was man nach einem Kompliment eigentlich erwartet: Ein Gegenkompliment. Und hier ist es. China verdient es. "Wo ai zhong guo renmin!"

 

Dr. Rolf Geffken, Nanjing 5.7.2014


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