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"FREIE MEDIEN" & LEIHARBEIT

Objektive Berichterstattung oder doch so etwas wie "Lügenpresse" ?

Folgendes Erlebnis von RAT & TAT zeigt, w i e weit "unsere" Medien von einer profunden Berichterstattung zum Thema Leiharbeit entfernt sind: Im Auftrag einer "Produktionsfirma" meldete sich in unserer Kanzlei ein Journalist, der einen TV-Bericht zum Thema "Leiharbeit" machen sollte. Wir sollten mal wieder dafür herhalten, irgendwelche Mandanten für ein "Gespräch" mit einem (schlecht informierten) Journalisten zu mobilisieren. Ich mußte ihm erst einmal erzählen, daß nur wenige Betroffene bereit seien, Fragen wie die nach dem Verhältnis zu Stammbeschäftigten zu beantworten und warum das so sei. Ich könnte ihm allerdings ein Gespräch mit dem bei Autovision (VW) erheblichen Schikanen ausgesetzten Betroffenen Murat C vermitteln und erklärte, was dort passiert sei und weiter passiere (wir berichteten ausführlich im RAT & TAT Info). Daraufhin erhielten wir diese Mail: "Ich persönlich finde den geschilderten Fall .....stark und durchaus berichtenswert. Da ich auch für tagesaktuelle Magazine arbeite, möchte ich schauen, ob sich der Fall im Zuge einer wahlrelevanten (?) Berichterstattung aufgreifen lässt. Da es sich bei der benannten Doku allerdings um eine Auftragsproduktion handelt, darf ich hier nicht wirklich auf Attacke (!) gehen. Vielmehr geht es hier darum, das generelle Verhältnis „Leiharbeiter zu Festangestellten“ zu beleuchten, alles mit einem sehr sachlichen und erklärenden Tenor (!). Der Protagonist sollte nach wie vor als Leiharbeiter beschäftigt sein und uns Fragen zum Thema Jobsicherheit und Gehalt beantworten können. Sollte dieses Profil auf einen Ihrer Mandanten oder Bekannten zutreffen, geben Sie uns eine kurze Info". Rolf Geffken antwortete so: "Ich übe meinen Beruf seit über 40 Jahren „sehr sachlich und erklärend“ aus. O h n e Parteinahme aber geht es nicht, denn die Spaltung der Belegschaften u n d das System der Leiharbeit ZERSTÖREN DAS ARBEITSRECHT. Das Problem ist, daß – sorry – Ihre Zunft über diese Problematik meist nur sehr oberflächlich und wenig engagiert berichtet. Was wollen Sie einem Leiharbeiter zu „Jobsicherheit und Gehalt“ für Fragen stellen ? Daß es keine Jobsicherheit gibt, ist allen bekannt. Daß kein „Equal Pay“ bezahlt wird ist auch allen bekannt. Allerdings fehlt in der Fragestellung die illegale Leiharbeit in Gestalt von Scheinwerkverträgen. Und es fehlt die ANGST, die bei den Leiharbeitern und den Werkvertraglern grassiert. Es zeichnet sich nämlich ab, daß Sie und andere in nicht ferner Zukunft g a r keinen Leiharbeiter mehr finden werden, die Ihnen Auskunft geben wollen oder können. Dann hätte sich auch die journalistische Arbeit „erledigt“. Auch bei Ihrem Auftraggeber fehlen offenbar einfach Grundkenntnisse über die Lage der Leiharbeit in Deutschland. Aber vielleicht finden Sie ja doch jemanden der „streng neutral“ sachlich und erklärend bleibt. Ich wünsche viel Erfolg !" Und dann echauffieren sich manche über den Satz von der "Lügenpresse".... Nein: Es wird nicht gelogen. Es wird auch niemandem gesagt, er oder sie s o l l e lügen, aber es wird - und das ist viel schlimmer - in vorauseilendem Gehorsam entschieden, was ein SEHR SACHLICHER UND ERKLÄRENDER TENOR ist, jedenfalls k e i n e KRITISCHE UND ENGAGIERTE BERICHTERSTATTUNG ! S o wird das System Leiharbeit "medial" abgesichert. Aber natürlich ist das alles Zufall. Ganz sachlich und erklärend tenoriert.


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